Ratgeber · Stand 20.10.2026
Katzenfutter-Etikett lesen
Vorne steht „mit Huhn“, hinten „4 % Huhn“ – beides stimmt. Hier lernst du, die Rückseite einer Futterpackung in fünf Minuten zu lesen: Zusammensetzung, Kategorien, Analysewerte, Zusatzstoffe und die eine Rechnung, die alles vergleichbar macht.
Was auf jeder Packung stehen muss
Die Kennzeichnung von Heimtierfutter regelt in der EU die Verordnung (EG) Nr. 767/2009. Für Mischfuttermittel – also praktisch jedes Katzenfutter – sind unter anderem Pflicht (Art. 15–17, 19):
- die Art des Futters: „Alleinfuttermittel“ oder „Ergänzungsfuttermittel“ (mehr dazu im Ratgeber Allein- vs. Ergänzungsfutter),
- die Tierart (und ggf. Lebensphase), für die es gedacht ist,
- die Zusammensetzung, die analytischen Bestandteile und die Zusatzstoffe,
- eine Fütterungsempfehlung, Nettomenge, Mindesthaltbarkeit, Losnummer und der Hersteller,
- bei Heimtierfutter zusätzlich eine kostenlose Telefonnummer oder ein anderer Kontaktweg, über den du nachfragen kannst (Art. 19).
1. Zusammensetzung: die Reihenfolge verrät viel
Die Zutaten stehen absteigend nach Gewicht – gerechnet mit ihrem Wassergehalt beim Mischen (Art. 17 Abs. 1 e). Prozentangaben sind grundsätzlich freiwillig. Aber: Wird eine Zutat hervorgehoben – in Worten, Bildern oder Grafiken –, muss ihr Anteil in Prozent dastehen (Art. 17 Abs. 2 a). Darum findest du hinten fast immer „4 % Huhn“, wenn vorne ein Huhn abgebildet ist.
Merke: Frisches Fleisch enthält rund 70–75 % Wasser. Steht es ganz vorne, ist das gut – sagt aber noch nichts darüber, wie viel Protein am Ende im Napf landet. Dafür rechnen wir weiter unten das Wasser heraus.
2. Kategorien: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“
Für Heimtiere dürfen Hersteller statt einzelner Zutaten auch Kategorien angeben (Art. 17 Abs. 2 c). Die erlaubten Kategorien legt eine EU-Liste fest – zum Beispiel:
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
- Fisch und Fischnebenerzeugnisse
- Milch und Molkereierzeugnisse
- Eier und Eiererzeugnisse
- Getreide
- Gemüse
- pflanzliche Nebenerzeugnisse
- Öle und Fette
- Mineralstoffe
- Zucker
- Hefen
- Extrakte pflanzlichen Eiweißes
Eine Kategorie ist legal, aber wenig aussagekräftig: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann Muskelfleisch, Herz, Leber oder Lunge sein – in wechselnder Mischung, ohne dass sich das Etikett ändert. Man spricht von geschlossener Deklaration. Bei offener Deklaration steht jede Zutat einzeln da, oft mit Prozent („Huhn 40 %, Herz 10 %, Leber 5 %“). Unser Score belohnt genau diese Transparenz.
3. „mit Huhn“ heißt 4 % – die Namensregeln
Wie viel einer Zutat drin sein muss, damit sie im Produktnamen stehen darf, regelt der Kodex für gute Kennzeichnungspraxis des europäischen Heimtierfutter-Verbands FEDIAF (Selbstverpflichtung der Branche, von der EU-Kommission anerkannt):
| Bezeichnung auf der Packung | Mindestanteil der Zutat |
|---|---|
| „Huhn“ als Name, „Huhn-Menü“, „Huhn-Dinner“ | 26 % |
| „reich an Huhn“, „extra Huhn“ | 14 % |
| „mit Huhn“ | 4 % |
| „mit Huhngeschmack“, „Geschmacksrichtung Huhn“ | unter 4 % – nur erkennbar |
Ein „Menü mit Huhn und Rind“ kann also aus 4 % Huhn, 4 % Rind und 92 % anderem bestehen – legal und üblich. Das Etikett hinten sagt dir, was davon zutrifft.
4. Analytische Bestandteile – „roh“ heißt nicht roh
Pflicht für Katzen- und Hundefutter sind Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, dazu die Feuchtigkeit, wenn sie über 14 % liegt (also bei jedem Nassfutter). „Roh“ bezieht sich auf das Analyseverfahren (Weender-Analyse), nicht auf ungekochtes Futter:
- Rohprotein – aus dem Stickstoffgehalt berechnet; sagt nichts darüber, wie gut das Protein verdaulich ist.
- Rohfett – alle Fette und fettlöslichen Stoffe.
- Rohfaser – unverdauliche Pflanzenfasern (Teil der Ballaststoffe).
- Rohasche – was nach dem Verbrennen übrig bleibt: Mineralstoffe wie Calcium und Phosphor. Viel Asche kann auf viel Knochen hindeuten.
Kohlenhydrate stehen nicht drauf – sie müssen nicht deklariert werden. Man schätzt sie als „NfE“ (stickstofffreie Extraktstoffe): 100 minus alle anderen Werte.
5. Das Wasser herausrechnen (mit Beispiel)
Nassfutter besteht zu etwa 80 % aus Wasser, Trockenfutter zu unter 10 %. Deshalb wirken die Zahlen auf Nassfutter winzig („10 % Protein“) und auf Trockenfutter riesig („34 % Protein“). Vergleichbar werden sie erst ohne Wasser (Fachleute sagen „Trockensubstanz“):
Anteil ohne Wasser = 100 − Feuchtigkeit · Wert ohne Wasser = Wert ÷ Anteil ohne Wasser × 100
Zwei erfundene, aber typische Etiketten:
| Etikett | Nassfutter | Trockenfutter |
|---|---|---|
| Feuchtigkeit | 80 % | 8 % |
| Rohprotein | 10 % | 34 % |
| Rohfett | 5 % | 15 % |
| Rohfaser | 0,5 % | 2,5 % |
| Rohasche | 2 % | 7 % |
| Anteil ohne Wasser (100 − Feuchte) | 20 % | 92 % |
| Protein ohne Wasser | 10 ÷ 20 × 100 = 50 % | 34 ÷ 92 × 100 = 37 % |
| NfE (100 − alle Werte) | 2,5 % | 33,5 % |
| Kohlenhydrate ohne Wasser | 2,5 ÷ 20 × 100 = 12,5 % | 33,5 ÷ 92 × 100 = 36 % |
Überraschung: Das Nassfutter mit „nur 10 % Protein“ hat mehr Protein und viel weniger Kohlenhydrate als das Trockenfutter mit „34 %“. Genau diese Rechnung machen wir auf jeder Produktseite automatisch – mit den echten Zahlen.
Echtes Beispiel: Leonardo Delight in Sauce Huhn – Feuchtigkeit 82 %, Protein 14 % → 77,8 % Protein ohne Wasser, Kohlenhydrate geschätzt 2,2 % ohne Wasser. Rechnung ansehen
6. Zusatzstoffe: die Kennnummern
Zusatzstoffe sind in der EU zugelassen und haben eine Kennnummer (Verordnung (EG) Nr. 1831/2003). Die erste Ziffer verrät die Kategorie:
- 1 – technologisch: Konservierungsmittel, Antioxidantien, Verdickungs- und Geliermittel (z. B. Cassia, Guarkernmehl).
- 2 – sensorisch: Farbstoffe und Aromen.
- 3 – ernährungsphysiologisch: Vitamine (3a…, z. B. 3a671 Vitamin D3), Spurenelemente (3b…, z. B. 3b605 Zinksulfat), Aminosäuren wie Taurin (3a370).
Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe sind kein Makel – im Gegenteil: Sie machen ein Alleinfutter erst vollständig. Taurin etwa ist für Katzen lebensnotwendig.
Kurz-Check für den Einkauf
- Steht „Alleinfuttermittel“ drauf? Sonst ist es nur eine Beilage.
- Sind die tierischen Zutaten einzeln benannt und mit Prozent?
- Wie viel Protein ohne Wasser? Für Katzen ist mehr meist die Richtung.
- Taucht Zucker auf? Katzen brauchen ihn nicht (warum).
- Passt die Fütterungsempfehlung zu deiner Katze? (Rechner)
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen und die Verwendung von Futtermitteln, insb. Art. 15, 17, 19 und Anhang VII – EUR-Lex
- Verordnung (EU) 2017/2279 (Änderung der Anhänge, u. a. Kategorien für Heimtierfutter) – EUR-Lex
- FEDIAF: Code of Good Labelling Practice for Pet Food (Bezeichnungsregeln 26/14/4 %) – europeanpetfood.org
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 über Zusatzstoffe zur Verwendung in der Tierernährung (Kategorien, Kennnummern) – EUR-Lex
Allgemeine Information, keine Einzelfallberatung – bei kranken, sehr jungen, trächtigen oder alten Tieren gilt immer: Tierärztin oder Tierarzt fragen. napflupe vergibt keine Testurteile; unser Deklarations-Score rechnet nur mit den Angaben der Hersteller.