Methodik · Formel-Versionen katze-1 (Katze) und hund-1 (Hund)
So rechnen wir den Deklarations-Score
Der napflupe-Score bewertet, was auf der Packung steht – nicht, was tatsächlich drin ist. Es ist ein Deklarations-Score, kein Labortest, keine Aussage über Geschmack oder Verträglichkeit und ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Woher die Daten kommen
- Von den Produktseiten der Hersteller: Zusammensetzung (mit allen %-Angaben, in Originalreihenfolge), analytische Bestandteile, Zusatzstoffe, Energie, Fütterungsempfehlung, Packungen.
- Jede Erfassung bekommt ein Datum und einen Prüfwert (Hash). Ändert sich etwas, legen wir eine neue Version an – auf jeder Produktseite steht unter „Was hat sich geändert?“, was alt und was neu ist.
- Wir übernehmen nur Fakten. Werbetexte und Produktfotos der Hersteller zeigen wir nicht; die Packungsbilder sind eigene Symbolgrafiken (Farbe = Hauptzutat, nicht Markenfarbe).
- Mischpakete („Vielfalt“, „Multipack“) erfassen wir nicht als eigene Sorte – sie bestehen aus mehreren Rezepturen.
Ohne Wasser gerechnet (Trockensubstanz)
Nassfutter besteht zu rund 80 % aus Wasser, Trockenfutter zu unter 10 %. Damit man sie vergleichen kann, rechnen wir jeden Wert ohne Wasser – Fachleute sagen „in der Trockensubstanz“. Auf napflupe.de steht dafür einfach „ohne Wasser“ (Schritt für Schritt im Ratgeber Etikett lesen):
Anteil ohne Wasser = 100 − Feuchtigkeit · Wert ohne Wasser = Wert ÷ Anteil ohne Wasser × 100
Kohlenhydrate stehen nicht auf der Packung. Wir schätzen sie als NfE (stickstofffreie Extraktstoffe):
NfE ≈ 100 − (Feuchtigkeit + Rohprotein + Rohfett + Rohfaser + Rohasche)
Beispiel Leonardo Delight in Sauce Huhn: Feuchtigkeit 82 % → ohne Wasser bleiben 18 %. Protein 14 % ÷ 18 × 100 = 77,8 % ohne Wasser. NfE = 0,4 % → 2,2 % ohne Wasser. Ganze Rechnung ansehen
Trockenfutter ohne Feuchteangabe
Die Feuchte muss nur auf die Packung, wenn sie über 14 % liegt (VO (EG) 767/2009, Anhang I Nr. 6). Viele Trockenfutter und Snacks nennen sie deshalb nicht. Ohne Feuchte lässt sich das Wasser nicht herausrechnen – also rechnen wir mit einer klar markierten Annahme:
- Angenommen werden 10 % Feuchte. Das ist der häufigste Wert (Median) bei den Trockenfuttern in unseren Daten, die ihre Feuchte freiwillig angeben (7–10 %).
- Zusätzlich zeigen wir die Spanne für 7–14 % Feuchte (niedrigster angegebener Wert in unseren Daten bis zur gesetzlichen Grenze) – für Protein, Kohlenhydrate und den Score. So sieht man, wie stark die Annahme das Ergebnis bewegt (meist nur 1–3 Punkte).
- Die Annahme gilt nur für Trockenfutter und Snacks, steht auf jeder betroffenen Produktseite und fließt gleich in die Werte ohne Wasser, Kohlenhydrate (NfE), Energie-Schätzung, Score und Vergleichslisten ein. In unseren Daten bleibt der Herstellerwert leer – die Annahme wird nie als Herstellerangabe gespeichert.
Die fünf Kriterien (Katze, 0–100 Punkte)
| Kriterium | max. | So wird gerechnet |
|---|---|---|
| Transparenz | 30 | 15 Punkte für benannte Tierarten: jede tierische Angabe zählt 1 (Tierart, z. B. Huhn), ½ (nur Gruppe, z. B. Geflügel, Fisch, Leber) oder 0 (Sammelbegriff „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“) – Durchschnitt × 15. Ist ein Sammelbegriff nur teilweise aufgeschlüsselt („u. a.“, „davon 4 % Huhn“), zählt der Rest als eigene Angabe mit 0. Weitere 15 Punkte: Anteil der tierischen Angaben mit Prozentzahl × 15. |
| Tierischer Anteil | 25 | Summe der deklarierten Prozente aller tierischen Zutaten (oberste Ebene). 30 % = 0 Punkte, 90 % = 25 Punkte, linear dazwischen. Fehlt eine Angabe, zählt nur, was beziffert ist („mindestens“). Trinkwasser/Brühe müssen nicht deklariert werden – deshalb erreicht Nassfutter selten 90 %. |
| Protein (ohne Wasser) | 20 | Unter 35 % = 0 Punkte, ab 55 % = 20 Punkte, linear dazwischen. |
| Kohlenhydrate (ohne Wasser) | 15 | NfE ohne Wasser: bis 5 % = 15 Punkte, ab 30 % = 0 Punkte, linear dazwischen. |
| Zucker, Farbstoffe, Aromen | 10 | Start bei 10: Zucker/Karamell/Melasse −5, deklarierte Farbstoffe −3, Aromen −2. |
Ergänzungsfutter (Snacks, Filets in Sauce, Cremes) ist nicht als alleinige Nahrung gedacht (was der Unterschied ist). Wir rechnen den Score genauso, markieren solche Sorten aber deutlich und nehmen sie nicht in Bestenlisten wie „Höchster Score“ auf – ein Filet in Sauce mit viel Protein ist kein vollständiges Futter. Nennt die Herstellerseite weder Allein- noch Ergänzungsfuttermittel, steht auf der Produktseite „Futtermittelart nicht angegeben“ – wir raten nicht, und solche Sorten bleiben ebenfalls aus Bestenlisten heraus.
Die Summe wird auf ganze Punkte gerundet. Farbe: 75+ stark deklariert, 55+ solide, <55 schwach deklariert.
Hund: eigene Formel (hund-1)
Hunde sind keine reinen Fleischfresser, sondern Allesfresser mit Fleischschwerpunkt: Sie verwerten gekochte Stärke gut (genetische Anpassung an stärkereiche Nahrung, Axelsson et al. 2013), und ihr Proteinbedarf liegt niedriger als bei Katzen. Deshalb rechnen wir für Hunde mit eigenen Skalen – gleiche Bausteine, andere Gewichte:
| Kriterium | max. | So wird gerechnet |
|---|---|---|
| Transparenz | 30 | Wie bei der Katze: Tierarten benannt (15) + tierische Angaben mit % (15). |
| Tierischer Anteil | 20 | 20 % = 0 Punkte, 70 % = 20 Punkte, linear. Niedriger angesetzt als bei der Katze. |
| Protein (ohne Wasser) | 25 | 18 % = 0 Punkte (Mindestempfehlung der FEDIAF für erwachsene Hunde bei normalem Energiebedarf), 40 % = 25 Punkte, linear. |
| Kohlenhydrate (ohne Wasser) | 10 | NfE bis 30 % = 10 Punkte, ab 60 % = 0 – bewusst mild: viel Stärke verdrängt Protein, ist für Hunde aber kein Problem an sich. |
| Zucker, Farbstoffe, Aromen | 15 | Start bei 15: Zucker/Karamell/Honig/Melasse/Sirup −8, deklarierte Farbstoffe −4, Aromen −3. Hunde brauchen keinen Zucker; er macht Futter vor allem für Menschen „lecker“. |
- Getreide wird nicht abgezogen – es ist nur ein Merkmal („getreidefrei“), kein Qualitätsurteil.
- Hülsenfrüchte (Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Lupinen) unter den ersten fünf Zutaten zeigen wir als neutralen Hinweis ohne Punkte: Die US-Behörde FDA hat Meldungen über Herzmuskelerkrankungen (DCM) bei Hunden untersucht, die viel solches, oft getreidefreies Futter bekamen. Ein ursächlicher Zusammenhang ist bis heute nicht belegt – deshalb kein Abzug, aber Transparenz.
- Ergänzungsfutter (Snacks, Kauartikel, Topper) und Sorten ohne Angabe der Futtermittelart bekommen denselben Score, erscheinen aber nicht in Bestenlisten.
- Die Schwellen sind unsere Setzung, um Unterschiede sichtbar zu machen – keine Bedarfswerte. Welpen, Sporthunde, Senioren und kranke Hunde haben eigene Bedürfnisse.
Merkmale & „Versprechen vs. Deklaration“
- Ohne Zucker: keine Zuckerart in der Zusammensetzung. Getreidefrei: kein Getreide, keine Nudeln. Nur tierische Zutaten: außer Mineralstoffen nichts Pflanzliches. Monoprotein: genau eine Tierart/Fleischgruppe, kein Sammelbegriff.
- Aussagen der Hersteller („ohne Zucker“, „mit natürlichem Taurin“ …) zeigen wir als kurzes Stichwort und prüfen sie gegen die Zusammensetzung: ✓ passt, ! passt nicht, i nicht prüfbar. Reine Werbeformeln lassen wir weg.
Futtermenge & Kosten
Die Futtermenge kommt aus der Fütterungsempfehlung des Herstellers; zwischen zwei Gewichtsangaben rechnen wir linear. Zur Einordnung zeigen wir den groben Energiebedarf einer erwachsenen Katze nach FEDIAF (75 kcal × kg0,67 für kastrierte/Wohnungskatzen bis 100 × kg0,67 für aktive) – ausführlich im Ratgeber Wie viel Futter braucht meine Katze? Für Hunde nutzen wir als Richtwert 95–110 kcal × kg0,75 (FEDIAF, wenig bis normal aktive erwachsene Hunde). Fehlt die Energieangabe, schätzen wir sie mit den modifizierten Atwater-Faktoren (3,5 kcal je g Protein und Kohlenhydrate, 8,5 kcal je g Fett). Kosten pro Tag folgen, sobald Preise aus offiziellen Shop-Feeds angebunden sind.
Grenzen – bitte lesen
- Deklaration ist nicht Analyse. Rohprotein sagt nichts über die Verdaulichkeit; „tierische Nebenerzeugnisse“ können hochwertige Innereien oder Minderwertiges sein.
- Getreide ist nicht per se schlecht, und „getreidefrei“ ist kein Qualitätssiegel. Wir zeigen es, weil viele danach suchen – der Score zieht dafür nichts ab.
- Kranke, sehr junge oder sehr alte Tiere haben eigene Bedürfnisse. Der Score ersetzt keine tierärztliche Beratung.
- Rechtlich verbindlich ist immer die Angabe auf der Packung. Wir übernehmen Herstellerangaben ungeprüft; Tippfehler der Hersteller markieren wir, wenn wir sie bemerken.
- Wir vergeben keine Testurteile. Der Score ist eine Rechnung, keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt.
Warum gerade diese Kriterien?
- Transparenz, weil die EU-Verordnung 767/2009 Kategorien wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ erlaubt – wer offen deklariert, gibt freiwillig mehr preis (Art. 17 Abs. 2).
- Protein und wenig Kohlenhydrate, weil Katzen Fleischfresser sind; Studien zeigen, dass Katzen bei freier Wahl proteinreiches, kohlenhydratarmes Futter bevorzugen (Übersicht: Verbrugghe & Hesta 2017). Die Schwellen (35/55 % Protein, 5/30 % NfE, jeweils ohne Wasser) sind unsere Setzung, um Unterschiede sichtbar zu machen – keine Bedarfswerte. Den Mindestbedarf beschreiben die FEDIAF-Leitlinien; ein Alleinfutter muss ihn ohnehin decken.
- Zucker, Farbstoffe, Aromen, weil die Katze sie nicht braucht (Zucker im Katzenfutter).
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009 (Kennzeichnung von Futtermitteln) – EUR-Lex
- FEDIAF Nutritional Guidelines for Cats and Dogs (2024) und Code of Good Labelling Practice – europeanpetfood.org
- Verordnung (EG) Nr. 767/2009, Anhang I Nr. 6: Feuchte ist bei sonstigen Mischfuttermitteln erst ab 14 % anzugeben – EUR-Lex
- FEDIAF Nutritional Guidelines (2024), Tabellen Mindestnährstoffgehalte Hund (Protein 18 g bzw. 21 g je 100 g Trockensubstanz für erwachsene Hunde bei 110 bzw. 95 kcal × kg0,75) – europeanpetfood.org
- Axelsson E et al.: The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 495: 360–364 (2013) – doi:10.1038/nature11837
- U.S. Food and Drug Administration: FDA Investigation into Potential Link between Certain Diets and Canine Dilated Cardiomyopathy (Updates 2018–2022) – fda.gov
- National Research Council: Nutrient Requirements of Dogs and Cats (2006), u. a. modifizierte Atwater-Faktoren – doi:10.17226/10668
- Verbrugghe A, Hesta M: Cats and Carbohydrates: The Carnivore Fantasy? Veterinary Sciences 4(4): 55 (2017) – doi:10.3390/vetsci4040055
Mehr Hintergrund: unser Ratgeber.