Ratgeber · Stand 20.10.2026
Zucker im Katzenfutter
Katzen schmecken nichts Süßes – trotzdem steht auf manchen Etiketten „Zucker“. Hier erfährst du, warum er drin ist, woran du ihn erkennst und was „ohne Zuckerzusatz“ wirklich heißt.
Katzen können Süßes nicht schmecken
Bei Katzen ist eines der beiden Gene für den Süß-Rezeptor (Tas1r2) funktionslos – das hat ein Forschungsteam 2005 nachgewiesen. Hauskatzen, Tiger und Geparden teilen diese Eigenschaft. Zucker macht Futter für die Katze also nicht „lecker“; was sie anlockt, sind Geruch, Fett, Protein und bestimmte Aminosäuren.
Wozu dann Zucker im Futter?
Zucker hat im Futter vor allem technische und optische Gründe:
- Farbe: Beim Erhitzen bräunt Zucker (Karamellisierung, Maillard-Reaktion). Stücke sehen dann „wie gebraten“ aus – das gefällt eher dem Menschen am Napf.
- Konsistenz: Zucker bindet Wasser und hilft bei Gelee und Soße.
- Karamell als Farbstoff: Zuckerkulör (E 150) zählt zu den Farbstoffen und steht dann bei den Zusatzstoffen.
Wie viel Zucker drin ist, muss nicht angegeben werden. Meist sind es geringe Mengen – gebraucht werden sie von der Katze aber nicht.
So erkennst du Zucker auf dem Etikett
- Als Kategorie: „Zucker“ (zum Beispiel „…, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Zucker, Mineralstoffe“).
- Als Einzelzutat: Saccharose, Glukose, Fruktose, Melasse, Karamell, Honig, Sirup.
- Als Farbstoff: Zuckerkulör / Karamell (E 150a–d) unter den Zusatzstoffen.
Vorsicht bei „ohne Zuckerzusatz“: Das bedeutet nur, dass kein Zucker zugesetzt wurde. Zutaten wie Gemüse, Milch oder Obst bringen eigenen Zucker mit. Wir prüfen bei „Versprechen vs. Deklaration“, ob ein „ohne Zucker“-Versprechen zur Zusammensetzung passt.
Ist Zucker schädlich?
Ehrliche Antwort: In den üblichen kleinen Mengen ist kein direkter Schaden belegt. Katzen verwerten Kohlenhydrate grundsätzlich, haben aber einen Stoffwechsel, der auf eine fleischreiche Beute mit sehr wenig Kohlenhydraten ausgelegt ist. Katzen wählen, wenn sie dürfen, eher kohlenhydratarmes Futter.
Für Übergewicht und Diabetes bei Katzen sind nach heutigem Wissen vor allem zu viele Kalorien, Bewegungsmangel und Kastration ohne angepasste Futtermenge entscheidend. Ob kohlenhydratreiches Futter das Risiko zusätzlich erhöht, ist in der Forschung umstritten – eine Übersichtsarbeit von 2017 fasst zusammen, dass vieles davon auf Annahmen statt auf harten Daten beruht.
Unsere Haltung: Zucker ist überflüssig. Wer die Wahl hat, nimmt ein Futter ohne – und achtet vor allem auf die richtige Menge.
So behandelt napflupe Zucker
- Im Deklarations-Score gibt es für Zucker, Karamell oder Melasse in der Zusammensetzung 5 Punkte Abzug (Kriterium „Zusätze“).
- Jede Produktseite zeigt das Merkmal „ohne Zucker“ bzw. „enthält Zucker“.
- Kohlenhydrate insgesamt schätzen wir als NfE, ohne Wasser gerechnet – mehr dazu im Ratgeber Etikett lesen.
Quellen
- Li X, Li W, Wang H et al.: Pseudogenization of a Sweet-Receptor Gene Accounts for Cats' Indifference toward Sugar. PLoS Genetics 1(1): e3 (2005) – doi:10.1371/journal.pgen.0010003
- Verbrugghe A, Hesta M: Cats and Carbohydrates: The Carnivore Fantasy? Veterinary Sciences 4(4): 55 (2017) – doi:10.3390/vetsci4040055
- Verordnung (EU) 2017/2279 (Kategorien für Heimtierfutter, u. a. „Zucker“) – EUR-Lex
- Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 (Zusatzstoffe, Farbstoffe) – EUR-Lex
Allgemeine Information, keine Einzelfallberatung – bei kranken, sehr jungen, trächtigen oder alten Tieren gilt immer: Tierärztin oder Tierarzt fragen. napflupe vergibt keine Testurteile; unser Deklarations-Score rechnet nur mit den Angaben der Hersteller.